Ausstellungen 2021: Von modischem Spiel und textiler Macht

Bild: LWL Sonderausstellung im Textilwerk Bocholt, Sven Betz

In diesem Jahr 2021 beleuchten mehrere Ausstellungen in Deutschland und der Schweiz das Thema Bekleidung. Da die Museen inzwischen ihre Türen wieder öffnen, hier eine kurze Übersicht über die textilen Ziele für einen Wochenendausflug oder einen heiß ersehnten Kurzurlaub.

Jede der Ausstellungen hat ihren sehr eigenen Fokus, was das Ganze zu einer spannenden Reise macht. Die Route verläuft von Nord nach Süd.

use─less ─ Slow Fashion gegen Verschwendung und hässliche Kleidung

Textilwerk Bocholt
19.03.-26.09.2021, Di-So 10-18 Uhr, Eintritt: 4 Euro

Die Ausstellung hat den provokativen Untertitel „Slow Fashion gegen Verschwendung und hässliche Kleidung“. Mit hässlicher Kleidung ist hierbei die hässliche Seite der Produktion gemeint. Dieser wollen die Studierenden der Hochschule Hannover besonders mit Upcycling- und Recycling-Strategien begegnen. Sie haben sich Gedanken gemacht, wie Kleidung ressourcenschonender hergestellt werden kann. Die Stoffe hierfür sind zuvor im Museum auf den historischen Webstühlen gewebt worden.

Die Slowfashion-Modelle der jungen Designerinnen und Designer sind in einem speziell konzipierten Fashion Catwalk zu sehen. Mitmachen und Anfassen ist ausdrücklich erwünscht. So kann man z.B. die Designerstücke anprobieren und schauen, wie sie einem stehen, oder an interaktiven Stationen Techniken ausprobieren.

Hier finde ich auch den Ort besonders interessant. Das Textilwerk Bocholt gehört zum Westfälischen Landesmuseum für Industriekultur und ist Bestandteil der Europäischen Route der Industriekultur (ERIH). Es besteht aus einer historischen Spinnerei, einer Weberei mit Schauproduktion und einem eingerichteten Arbeiterwohnhaus.

Mehr Info: https://textilwerk-bocholt.lwl.org/de/ausstellungen/use-less/

Dress Code ─ Das Spiel mit der Mode

Bundeskunsthalle Bonn
21.05.-12.09.2021

Die Bundeskunsthalle in Bonn widmet sich der Mode als Teil der Alltagskultur. Der Spaziergang durch Modegeschichte und Dress Codes stellt die Frage, wie wir uns repräsentieren und wie wir wahrgenommen werden. Uniformität und Individualität, kulturelle Aneignung, aber auch der Dialog zwischen Mode und zeitgenössischer Kunst werden beleuchtet.

An dieser Ausstellung finde ich es besonders spannend, dass sie aus Japan stammt und viel japanische Mode zeigt. Diese ist oft bunt, extravagant und steht in starkem Kontrast zu dem sehr strengen beruflichen Dress Code in Japan.

Für die Präsentation in der Bundeskunsthalle wurde das Fashion Lab ergänzt, für das 13 deutsche Designerinnen und Designer eigene Kreationen entwickelt haben. Hier kann man sich virtuell stylen oder ankleiden – mit sogenannten Paper Dolls, den klassischen Anziehpuppen. Die älteren unter uns erinnern sich.

Mehr Info: https://www.bundeskunsthalle.de/dresscode.html

Fashion?! ─ Was Mode zu Mode macht

Landesmuseum Württemberg, Stuttgart
24.10.2020-24.04.2022

Die Ausstellung zeigt die europäische Modegeschichte von den 1950er Jahren bis heute. Hier begegnet man bekannten Namen wie Jean Paul Gaultier, Vivienne Westwood, Chanel, Dior und Saint Laurent. Am Beispiel von Fashion-Magazinen, Modefotografie und Social Media wird auch die Modekommunikation beleuchtet. Die Macher möchten „die Vielschichtigkeit des Phänomens Mode“ ergründen.

Wer sich vorher einen Eindruck verschaffen möchte, kann über Google Arts&Culture die Online-Ausstellung besuchen: https://artsandculture.google.com/partner/landesmuseum-wuerttemberg

Mehr Info: https://www.landesmuseum-stuttgart.de/ausstellungen/sonderausstellung-fashion/

Robes Politiques – Frauen Macht Mode

Textilmuseum St. Gallen
19.03.-06.02.2022

Einen ganz anderen kulturhistorische Blick hat die Ausstellung „Robes Politiques – Frauen Macht Mode“. Es geht um die Kleidung von Herrscherinnen und Politikerinnen und die Frage, ob und inwiefern diese Frauen mithilfe der Kleidung ihre Macht ausdrück(t)en.

Zu sehen sind Roben früherer Herrscherinnen, aber auch Kleidungsstücke von zeitgenössischen Schweizer Politikerinnen, die diese dem Museum eigens für die Ausstellung zur Verfügung gestellt haben.

Die Ausstellung ist Teil der Kooperation „50 Jahre Frauenstimm- und Wahlrecht – Ausstellungen und mehr“.

Das Textilmuseum St. Gallen hat eine große Textilsammlung, dazu gehören Gewebe und Stickereien aus aller Welt, Musterbücher, Entwurfszeichnungen und Fotografien. Pro Jahr gibt es zwei bis drei Sonderausstellungen. Vom 12. Juni bis 24. Oktober sind zum Beispiel unter der Überschrift „Erinnerungen an die Zukunft“ Kreationen von Studierenden der STF Schweizerischen Textilfachschule zu sehen.

Mehr Info: https://www.textilmuseum.ch/robes-politiques/

Ihr habt eine der Ausstellungen gesehen? Was hat euch inspiriert oder beeindruckt? Schreibt gerne in den Kommentar von euren Erlebnissen und Eindrücken.

Foto: LWL Sonderausstellung im Textilwerk Bocholt, LWL Sven Betz

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